Was wir messen — und was nicht
Was wir dokumentieren: Interventionen nach Plattform, Setting und Phänomenbereich; eingesetzte Methoden; Gesprächsbereitschaft (hat die Person reagiert, wie viele Antworten gab es); qualitative Tonveränderungen im Gesprächsverlauf; Weitervermittlung in Offline-Angebote.
Was Praxisannahme bleibt: Die Übertragbarkeit analoger Distanzierungsmethoden — einschließlich BRAKE — auf den digitalen Raum ist methodisch plausibel, aber für den ODA-spezifischen Online-Kontext nicht systematisch evaluiert. Das gilt auch für Prebunking bei bereits radikalisierten Personen: Die Evidenz liegt vor allem für primärpräventive Zielgruppen vor.
Was sich kaum messen lässt: Ob jemand nach einem ODA-Gespräch tatsächlich weniger radikalisiert ist, lässt sich kausal nicht nachweisen. Distanzierungsprozesse dauern, sie verlaufen nicht linear, und der Beitrag einer einzelnen Intervention bleibt selten isolierbar.
Was hat ODA bisher geleistet?
226
dokumentierte Einzelfälle
Radikalisierung online läuft selten über Argumente. Sie adressiert Bedürfnisse wie Zugehörigkeit und Identität und nutzt dabei gezielt die affektiven Verstärkungsmechanismen digitaler Plattformen. Gegenargumente, die diese Bedürfnisse nicht adressieren, werden ignoriert oder gar als Angriff eingestuft – ein Grund, warum Faktenchecks und Debunking oft zu negativen Backfire-Effekten führen. Wer hier mit Faktenkorrektur antritt, setzt falsch und zu spät.
ODA funktioniert auf einem anderen Kanal. Sie bedient sich eines breiten Spektrums an Methoden aus der Offline-Distanzierungsarbeit (unser BRAKE-Ansatz) Radikalisierungsprävention (P/CVE), systemischen Arbeit, Counter-Extremism Campaigning sowie Informations- und Medienbildung.
Unser BRAKE-Ansatz
Beziehung entsteht online über wiederkehrenden, persönlichen Kontakt in Kommentaren, Chats und DMs. Nur auf dieser Basis können Nutzer:innen Kritik an ihren Aussagen später überhaupt annehmen.
Reflexion läuft online nicht über Faktencheck oder Gegenargument, sondern über Geschichten, die eine andere Identität anbieten. Nutzer:innen hinterfragen sich selbst, wenn sie sich in einer alternativen Erzählung wiederfinden.
Aufsuchend heißt online, dort präsent zu sein, wo Radikalisierung passiert: in Kommentarspalten, Feeds und Gruppen. Der Kontakt beginnt, bevor eine Distanzierungsmotivation überhaupt besteht.
Kritik bleibt online an die Beziehung gebunden und läuft über Haltung, Perspektive und Erzählung. Ob sie ankommt, entscheidet die feed-taugliche Form.
Entwicklung läuft online über Zeit und wiederholten Kontakt, nicht über ein einzelnes Gespräch. Der Prozess bleibt bestehen, auch wenn zwischen zwei Nachrichten Tage liegen.